Nomen oder Verb? So erkennst du den Unterschied sicher

Die Nominalisierung erklärt, wie aus Verben und Adjektiven durch Signalwörter wie "die", "große" und "das" neue Nomen werden, z.B. "Tanzen".

Geschrieben von

Luzia Kaufmann

Veröffentlicht am

4. Juli 2026

Inhaltsverzeichnis

Ob ein Wort im Deutschen ein Nomen oder ein Verb ist, entscheidet oft über die Schreibweise, den Satzbau und sogar die Bedeutung eines Satzes. Ich zeige, woran du beide Wortarten erkennst, welche grammatischen Merkmale sie haben, warum nominalisierte Verben für Lernende so tückisch sind und mit welchen einfachen Übungen du die Unterscheidung sicher trainierst.

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

  • Nomen bezeichnen Personen, Dinge, Tiere, Orte oder abstrakte Begriffe und werden großgeschrieben.
  • Verben drücken Handlungen, Vorgänge oder Zustände aus und werden normalerweise kleingeschrieben.
  • Ein Nomen erkennst du häufig an einem Artikel wie der, die oder das.
  • Verben lassen sich meist nach Person, Zeit und Zahl verändern.
  • Nominalisierte Verben werden als Nomen gebraucht und deshalb großgeschrieben.

Was Nomen und Verben im Satz leisten

Nomen, auch Substantive genannt, geben Dingen und Vorstellungen einen Namen. Dazu gehören konkrete Wörter wie der Tisch, die Schülerin und das Fahrrad, aber auch abstrakte Begriffe wie die Freude, der Mut oder die Entscheidung.

Ein Nomen kann also etwas bezeichnen, das man anfassen kann, muss es aber nicht. Gerade bei abstrakten Begriffen hilft mir die Frage, ob das Wort eine Person, einen Gegenstand, ein Gefühl oder eine Vorstellung benennt. In allen diesen Fällen handelt es sich sehr wahrscheinlich um ein Nomen.

Verben beschreiben dagegen, was jemand tut, was geschieht oder in welchem Zustand sich etwas befindet. Beispiele sind laufen, denken, wachsen, sein und bleiben. Ohne ein Verb fehlt einem vollständigen Aussagesatz oft das Zentrum.

Vergleiche diese beiden Sätze:

  • Die Schülerin liest ein Buch.
  • Das Lesen macht ihr Freude.

Im ersten Satz bezeichnet „liest“ eine Handlung. Im zweiten Satz wird „Lesen“ als Tätigkeit behandelt, also wie ein Gegenstand oder Begriff. Deshalb ist es ein substantiviertes Verb und wird großgeschrieben.

So erkennst du ein Nomen zuverlässig

Die Großschreibung ist ein wichtiger Hinweis, aber sie sollte nicht dein einziges Entscheidungskriterium sein. Am sichersten ist eine Kombination aus Bedeutung, Begleitwörtern und grammatischer Funktion.

Artikelprobe

Vor ein Nomen passt häufig ein bestimmter oder unbestimmter Artikel. Du kannst probeweise der, die, das, ein oder eine einsetzen. Funktioniert das, spricht vieles für ein Nomen.

  • der Garten
  • eine Frage
  • das Lernen
  • die Geduld

Die Probe hilft besonders bei Wörtern, die man leicht mit Verben verwechselt. Bei „Reisen“ kann es zum Beispiel heißen: „Wir reisen morgen“ oder „Das Reisen bildet“. Im ersten Satz ist das Wort ein Verb, im zweiten ein nominalisiertes Verb.

Begleiter und Adjektive

Nomen können von Adjektiven näher beschrieben werden. Zwischen Artikel und Nomen steht dann oft ein gebeugtes Adjektiv, etwa in der schnelle Zug, eine schwierige Aufgabe oder das regelmäßige Üben.

Auch Possessivartikel und Mengenangaben sind typische Begleiter. Beispiele sind mein Heft, viele Fehler, kein Zweifel und drei Versuche. Diese Begleiter machen die Wortart im Satz meist schnell sichtbar.

Grammatische Merkmale von Nomen

Nomen haben im Deutschen drei wichtige grammatische Merkmale. Sie besitzen ein grammatisches Geschlecht, können im Singular oder Plural stehen und verändern ihre Form je nach Fall.

Merkmal Beispiel Woran du es erkennst
Genus der Tisch, die Lampe, das Fenster Der Artikel zeigt das grammatische Geschlecht.
Numerus die Aufgabe, die Aufgaben Das Nomen steht im Singular oder Plural.
Kasus der Hund, des Hundes, dem Hund Der Fall hängt von der Satzfunktion ab.

Beim Lernen neuer Nomen notiere ich deshalb nie nur das Wort. „Tisch“ allein ist weniger hilfreich als „der Tisch, die Tische“. So speicherst du Artikel und Plural gleich mit und vermeidest später viele typische Fehler.

Woran du ein Verb erkennst

Verben lassen sich im Deutschen meistens verändern. Diese Veränderung nennt man Konjugation. Aus dem Infinitiv „lernen“ werden zum Beispiel ich lerne, du lernst, er lernt oder wir lernen.

Die Endung zeigt häufig, wer handelt. Zusätzlich können Verben die Zeit ausdrücken. „Ich lerne“, „ich lernte“ und „ich habe gelernt“ beziehen sich auf unterschiedliche Zeitformen, obwohl das Grundverb gleich bleibt.

Die wichtigsten Merkmale von Verben

  • Person zeigt, wer handelt, etwa ich, du oder sie.
  • Numerus unterscheidet zwischen Einzahl und Mehrzahl.
  • Tempus zeigt die Zeitform wie Präsens, Präteritum oder Perfekt.
  • Modus kennzeichnet Aussage, Aufforderung oder Möglichkeit.
  • Genus Verbi unterscheidet Aktiv und Passiv.

Eine einfache Probe besteht darin, das Wort in den Satz „Ich kann ...“ einzusetzen. Bei „schwimmen“, „rechnen“ oder „warten“ funktioniert das problemlos. Bei einem Nomen wie „Tisch“ ergibt „Ich kann Tisch“ dagegen nur in einem besonderen Zusammenhang einen sinnvollen Satz.

Diese Probe ist nicht unfehlbar, aber sie hilft im Alltag. Ich kombiniere sie immer mit der Frage, ob das Wort eine Tätigkeit oder einen Vorgang ausdrückt. Genau diese Kombination ist für Kinder und Deutschlernende meist verständlicher als das Auswendiglernen vieler Fachbegriffe.

Warum nominalisierte Verben so oft Fehler verursachen

Ein Verb kann im Satz seine ursprüngliche Funktion verlieren und wie ein Nomen verwendet werden. Dann spricht man von Nominalisierung. Das Wort wird großgeschrieben, obwohl es ursprünglich eine Handlung bezeichnet.

Typische Beispiele sind das Schwimmen, beim Schreiben, zum Üben und nach dem Essen. Die Wörter stammen von Verben ab, stehen aber mit einem Artikel oder einer Präposition und übernehmen die Rolle eines Nomens.

Kleinschreibung als Verb Großschreibung als Nomen
Wir gehen heute schwimmen. Das Schwimmen macht Spaß.
Sie muss regelmäßig üben. Beim Üben braucht sie Ruhe.
Er möchte gern lesen. Zum Lesen setzt er sich ans Fenster.

Besonders zuverlässig ist die Frage, ob ein Signalwort davorsteht. Wörter wie das, beim, zum, im, am oder ein kündigen häufig eine Nominalisierung an. „Beim Laufen“ bedeutet nicht einfach, dass jemand läuft, sondern bezeichnet das Laufen als Tätigkeit.

Allerdings darfst du dich nicht blind auf einzelne Wörter verlassen. „Am“ kann zum Beispiel auch Teil einer Zeitangabe sein, wie in „am Montag“. Entscheidend ist immer die Funktion des gesamten Satzes.

Mit diesen Übungen trainierst du die Unterscheidung

Für den Lernerfolg halte ich kurze, regelmäßige Übungen für wirksamer als lange Arbeitsblätter. Schon fünf bis zehn Minuten konzentriertes Training können reichen, wenn die Aufgaben nicht nur das Abschreiben verlangen, sondern eine echte Entscheidung erfordern.

Übung 1 mit der Artikelprobe

Markiere in einem kurzen Text alle Wörter, vor die ein Artikel passen könnte. Prüfe anschließend, ob es sich wirklich um Nomen handelt. Bei „Das Kind liest ein Buch“ findest du „Kind“ und „Buch“, nicht aber „liest“.

Übung 2 mit Satzpaaren

Schreibe aus einem Verb zwei Sätze. Einmal soll es als Verb vorkommen, einmal als Nomen.

  • Wir lernen für die Prüfung.
  • Das Lernen fällt heute leicht.
  • Die Kinder spielen im Garten.
  • Beim Spielen vergessen sie die Zeit.

Diese Übung zeigt nicht nur die Schreibweise, sondern auch den Bedeutungswechsel. Genau das bleibt meiner Erfahrung nach besser hängen als die bloße Regel „Nomen schreibt man groß“.

Übung 3 mit farbigen Markierungen

Markiere Nomen blau und Verben rot. Unterstreiche bei den Nomen zusätzlich den Artikel und kreise bei den Verben die Endung ein. Die Farben machen sichtbar, dass Nomen eher Dinge oder Begriffe benennen, während Verben Beziehungen und Handlungen im Satz ausdrücken.

Lesen Sie auch: Häufige Grammatikfehler im Deutschen sicher vermeiden

Übung 4 mit einem eigenen Mini-Text

Schreibe drei bis fünf Sätze über deinen Alltag. Verwende darin mindestens fünf Nomen und fünf Verben. Lies den Text danach laut vor und verändere jedes Verb probeweise nach Person oder Zeit. Wörter, die sich nicht sinnvoll konjugieren lassen, gehören wahrscheinlich nicht zu den Verben.

Typische Fehler und eine einfache Strategie dagegen

Ein häufiger Fehler ist die Annahme, dass jedes Wort auf „-en“ ein Verb sein muss. „Laufen“ kann ein Verb sein, aber auch ein Nomen in „Das Laufen tut mir gut“. Die Endung allein entscheidet also nicht.

Ebenso problematisch ist die Vorstellung, dass große Anfangsbuchstaben immer auf Nomen hinweisen. Satzanfänge und Eigennamen werden ebenfalls großgeschrieben. Bei „Heute lernt Anna“ sind „Heute“ und „Anna“ zwar großgeschrieben, aber nur „Anna“ ist ein Nomen.

Ich empfehle eine feste Reihenfolge, die sich auch beim selbstständigen Lernen gut anwenden lässt:

  1. Frage, ob das Wort eine Person, Sache, Vorstellung oder Tätigkeit als Begriff bezeichnet.
  2. Setze probeweise einen Artikel oder Begleiter davor.
  3. Prüfe, ob das Wort als Verb nach Person oder Zeit verändert werden kann.
  4. Achte auf Signalwörter wie „das“, „beim“ oder „zum“.
  5. Lies den ganzen Satz noch einmal und kontrolliere die Bedeutung.

Diese fünf Schritte verhindern, dass man nur nach der Schreibweise entscheidet. Gerade bei anspruchsvolleren Sätzen ist die Funktion im Satz wichtiger als die äußere Form des Wortes.

Was beim Lernen langfristig den größten Unterschied macht

Wer deutsche Nomen lernt, sollte den Artikel und möglichst auch den Plural von Anfang an mitlernen. Bei Verben lohnt es sich, nicht nur den Infinitiv zu speichern, sondern mindestens eine wichtige Form im Präsens und das Partizip II zu kennen, etwa gehen, geht, ist gegangen.

Auch das Lesen kurzer Texte hilft, weil du Wörter dort in ihrem natürlichen Zusammenhang siehst. Ich würde dabei nicht jedes einzelne Wort markieren. Besser ist es, pro Text nur einige Beispiele auszuwählen und genau zu erklären, warum sie groß- oder kleingeschrieben werden.

Wenn Unsicherheit bleibt, hilft ein Wörterbuch oder eine Grammatikübersicht. Bei der deutschen Rechtschreibung gibt es außerdem Fälle, in denen mehrere Deutungen möglich sind. Dann sollte man nicht krampfhaft eine einzige Regel suchen, sondern prüfen, welche Bedeutung im konkreten Satz gemeint ist.

Die wichtigste Erkenntnis lautet deshalb nicht einfach „Nomen groß, Verben klein“. Entscheidend ist, ob ein Wort gerade eine Sache oder einen Begriff bezeichnet oder ob es eine Handlung, einen Vorgang oder einen Zustand ausdrückt. Wer diese Funktion erkennt, schreibt automatisch sicherer und versteht deutsche Sätze genauer.

Häufig gestellte Fragen

Prüfe zuerst, ob das Wort eine Person, Sache, Vorstellung oder einen Begriff bezeichnet. Setze danach einen Artikel oder Begleiter davor, zum Beispiel der, die, das, ein oder eine. Auch Adjektive, Possessivartikel und Mengenangaben wie mein, viele oder drei können auf ein Nomen hinweisen.

Verben lassen sich meist nach Person, Zahl und Zeit verändern. Aus lernen werden zum Beispiel ich lerne, du lernst und ich habe gelernt. Zusätzlich kannst du die Probe Ich kann ... verwenden und prüfen, ob das Wort eine Handlung, einen Vorgang oder einen Zustand ausdrückt.

Ein Verb wird nominalisiert, wenn es wie ein Nomen verwendet wird. Signalwörter wie das, beim, zum, im oder ein stehen dann häufig davor, etwa in das Schwimmen, beim Schreiben oder zum Üben. Entscheidend ist die Funktion im gesamten Satz, denn am kann auch in einer Zeitangabe wie am Montag vorkommen.

Kurze Übungen von fünf bis zehn Minuten sind sinnvoll. Bilde Satzpaare wie Wir lernen und Das Lernen fällt leicht, markiere Nomen und Verben farbig oder schreibe einen Mini-Text mit mindestens fünf Nomen und fünf Verben. Bei Nomen solltest du Artikel und Plural mitlernen, bei Verben mindestens eine Präsensform und das Partizip II.

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Luzia Kaufmann

Luzia Kaufmann

Ich heiße Luzia und begleite seit fünf Jahren Familien beim Lernen zu Hause, mit Schwerpunkt auf Bildung und Lerntherapie. Meine Arbeit auf anja-dunkelmann.de ist für mich eine Herzensangelegenheit, da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie wichtig es ist, Lernschwierigkeiten frühzeitig zu erkennen und gezielt zu fördern. Mir ist wichtig, schwierige Zusammenhänge einfach zu erklären und praktische Tipps für den Alltag zu geben. Dabei binde ich stets aktuelle Erkenntnisse aus der Bildungsforschung ein und recherchiere meine Inhalte sorgfältig, damit Sie sich auf verlässliche und nützliche Informationen verlassen können.

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